Nach wie vor hat die konventionelle Landwirtschaft den größten Anteil an der gesamtdeutschen Landwirtschaft. Spezialisierung und Industrialisierung sind dabei die Schlagworte, die die konventionelle Landwirtschaft besonders gut beschreiben. Und das hat Folgen – für die Natur, die Umwelt und auch für die Verbraucher.

Welche Auswirkungen das hat, was biologische und konventionelle Landwirtschaft unterscheidet und welche zukünftigen Entwicklungen in diesem Bereich bald die Realität sein könnten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Biologische vs. konventionelle Landwirtschaft – das sind die Unterschiede

Ob Fleisch, Milchprodukte, Obst oder Gemüse – aus der konventionellen Landwirtschaft beziehen die Verbraucher den größten Teil ihrer Nahrungsmittel. Über 90 Prozent aller Betriebe in Deutschland produzieren ihre Produkte auf konventionelle Art und Weise. Damit bezeichnet konventionell also die allgemein übliche Form der Landwirtschaft.

Demgegenüber steht die biologische Landwirtschaft als spezielle Form der Landwirtschaft. Biobetriebe machen aktuell knapp zehn Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Betriebe aus und besetzen damit bisher nur eine kleine Nische. Während die konventionelle Landwirtschaft auf eine hohe Ertragsleistung ausgerichtet ist, setzt die biologische Landwirtschaft auf eine Erzeugung von Produkten, die sowohl ökologische als auch ethische Aspekte berücksichtigt. Erhaltung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren sowie eine artgerechte Tierhaltung spielen dabei eine ebenso große Rolle wie zum Beispiel Boden- oder Umweltschutz. Damit gelten für die biologische Landwirtschaft deutlich strengere Regeln und Gesetze als für die konventionelle Landwirtschaft – was natürlich auch höhere Produktionskosten bedeutet.

Spezialisierung und Industrialisierung – zwei prägende Begriffe

Möglichst viele Nahrungsmittel zu möglichst günstigen Preisen zu produzieren, ist das Ziel, das die konventionelle Landwirtschaft verfolgt. Das bedeutet, dass konventionelle Betriebe einen hohen Ertrag erreichen möchten. Und das funktioniert nur, wenn genügend große Flächen zur Bewirtschaftung verfügbar sind, denn je mehr Fläche, desto mehr Ertrag. Im Unterschied zur biologischen Landwirtschaft spielt es hierbei eher eine nebensächliche Rolle, unter welchen Bedingungen Obst, Gemüse und Getreide angebaut bzw. Fleisch- und Milchprodukte hergestellt werden. Für die Umwelt hat das allerdings weitreichende Folgen.

Und damit kommen zwei Begriffe ins Spiel, die typisch sind für die konventionelle Landwirtschaft: Spezialisierung und Industrialisierung. Mehr Ertrag bedeutet nämlich auch größere Betriebe. Traditionelle Arbeits- und Herstellungsarten weichen industriellen Prozessen. Je mehr Produkte es nämlich zu verarbeiten gilt, umso mehr Arbeitskraft und Schnelligkeit sind gefragt. Um dabei nicht den Anschluss an den Wettbewerb zu verlieren, ist es notwendig, dass die Betriebe sich industrialisieren, damit sie mehr Menge in kürzerer Zeit verarbeiten können. Das wiederum steht in engem Zusammenhang mit der Spezialisierung: Statt auf Vielfalt zu setzen, konzentrieren sich konventionelle Betriebe auf den Anbau bzw. die Herstellung weniger Produkte, die sie dann in Masse zu günstigeren Preisen produzieren können.

Die Vorteile der konventionellen Landwirtschaft

Über 746 Millionen Menschen leben in Europa. Sie alle wollen zuverlässig mit Lebensmitteln versorgt werden. Dafür braucht es einen stabilen Lebensmittelmarkt – genau den stellt die konventionelle Landwirtschaft sicher. Sie sorgt dafür, dass es immer ausreichend Nahrungsmittel gibt, die die Verbraucher zu einem angemessenen Preis bekommen können. Im Vergleich zu anderen Regionen auf dieser Welt ist das ein sehr großes Privileg.

Viele Lebensmittel zu günstigen Preisen zu bekommen, ist für viele Menschen heute deswegen normal. Das führt dazu, dass die Forderung nach schneller, mehr und noch billiger laut wird. Dass die ständige Verfügbarkeit und Produktion en masse nicht mehr als das Privileg wahrgenommen wird, das sie eigentlich ist, hat Folgen.

Die Nachteile konventioneller Landwirtschaft

Viele Produkte anzubauen, bedeutet auch, eine höhere Anfälligkeit für Risiken zu schaffen. Krankheiten oder Schädlinge können ganze Ernten unbrauchbar machen, was für Betriebe einen großen finanziellen Schaden zur Folge haben kann. Darum setzt die konventionelle Landwirtschaft (im Unterschied zur biologischen Landwirtschaft) auf Pflanzenschutz mit chemischen und synthetischen Mitteln. Das schützt zwar die Pflanzen, wirkt sich jedoch negativ auf Grundwasser, Tiere und Natur aus. So sterben beispielsweise durch Pestizide nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge. Das gefährdet die Artenvielfalt und kann ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem verlieren Böden dadurch an Fruchtbarkeit und werden anfälliger für Erosionen, da ihnen wichtige Nährstoffe fehlen.

Hinzu kommt, dass die Spezialisierung, die typisch für die konventionelle Landwirtschaft ist, das Entstehen von Monokulturen begünstigt – was sich ebenfalls negativ auf die Artenvielfalt auswirkt. Ein weiterer Nachteil ist die Massentierhaltung. Dadurch, dass sich hier so viele Tiere auf engstem Raum befinden, steigt die Chance für Krankheiten, sich zu verbreiten. Deswegen werden die Masttiere bereits im Vorfeld mit Antibiotika behandelt, was Folgen für die Gesundheit des Verbrauchers hat. Zudem steigt durch die Massentierhaltung nicht nur der Verbrauch von Energie und Ressourcen, sondern auch die Emissionen von CO2 nehmen zu. So stammen fast 90 Prozent der gesamten Emissionen aus der landwirtschaftlichen Tierzucht. Klimafreundlichkeit sieht anders aus.

Mehr Bio braucht das Land

Fest steht, dass die konventionelle Landwirtschaft zwar den Bedarf der Verbraucher deckt, dabei jedoch eine Menge Folgen hat, die alles andere als gut für Klima, Umwelt, Mensch und Tier sind. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und fordert, dass bis 2030 mindestens 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet werden sollen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lag der Prozentsatz im Jahr 2020 allerdings erst bei 9,6 Prozent, was zeigt, dass es noch einiges an Entwicklungspotenzial gibt.

Doch warum ist die biologische Landwirtschaft noch so viel „unattraktiver“ als die konventionelle Landwirtschaft? Dafür gibt es drei entscheidende Gründe:

  1. Bio-Betriebe müssen wesentlich strengere Anforderungen und Regularien erfüllen, um ihre Produkte auch wirklich Bio-Produkte nennen zu dürfen. Das kostet Zeit und Geld, was wiederum die Produkte teurer macht – und damit zum zweiten Punkt führt.
  2. Höhere Produktionskosten führen zu höheren Verkaufspreisen, die der Verbraucher nur bedingt zahlen möchte.
  3. Biolandwirtschaft hat geringere Erträge. Das macht es schwerer, das starke Konsumverhalten der Verbraucher zu stillen, die es durch die konventionelle Landwirtschaft gewohnt sind, viel Ware für wenig Geld zu bekommen.

Exkurs: Diese Rolle könnten Biogasanlagen für Biobetriebe spielen

Um die Produktionskosten und damit letztendlich auch die Produktkosten in der biologischen Landwirtschaft zu senken, gibt es verschiedenste Ansätze. Eine sehr vielversprechende Methode ist der Einsatz von Biogasanlagen. Denn diese tragen dazu bei, dass Biobetriebe die Effizienz ihrer gesamten Prozessketten steigern können. Wie das funktionieren soll? Ganz einfach: Nutzt ein Betrieb beispielsweise den Mist seiner Nutztiere zur Erzeugung von Biogas, kann er nicht nur nahezu CO2-neutrale Energie herstellen, sondern diese direkt verwenden, um seinen Energiebedarf zu decken. So lässt sich diese zum Beispiel besonders gut in Gewächshäusern einsetzen oder zum Heizen von Stallungen. Das senkt die Energiekosten, was sich wiederum positiv auf die Gesamtkosten der Produktion auswirkt. Dadurch können auch die Preise für Bioprodukte geringer ausfallen, was sie attraktiver macht für den Verbraucher. Zudem eignet sich das bei der Herstellung von Biogas anfallende Gärprodukt besonders gut zur Düngung ladwirtschaftlicher Flächen.