Von einer einzigen Sache gleich mehrfach zu profitieren, ist immer toll. Vor allem, wenn sich dabei nicht nur grüne Energie gewinnen und eine Menge an Kosten einsparen, sondern auch einiges an Geld verdienen lässt. Sie fragen sich, wie das funktionieren soll? Die Antwort liegt in der Wärmenutzung Ihrer Biogasanlage.

Tatsächlich gibt es nämlich zahlreiche Möglichkeiten, die Abwärme aus Biogasanlagen effektiv zu nutzen. Welche das konkret sind und wie diese helfen, die bisherige Wärmenutzung Ihrer Biogasanlage zu optimieren, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Abwärme und Wärmenutzung – was ist das überhaupt?

Bevor sich ein Weg definieren lässt, wie sich die Wärmenutzung einer Biogasanlage verbessern lässt, geht es zunächst einmal darum, die grundlegende Funktionsweise einer Biogasanlage zu verstehen. Das Prinzip, was dieser zugrunde liegt, ist dabei keine Raketenwissenschaft – im Gegenteil.

Eine Biogasanlage dient der Vergärung von Biomasse, das heißt von organischen Stoffen, wie zum Beispiel Gülle oder Energiepflanzen. Unter Ausschluss von Sauerstoff, also unter anaeroben Bedingungen, bildet sich ein Gemisch aus Methan und Kohlenstoffdioxid – das Biogas. Dieses lässt sich als Heizmittel und Kraftstoff nutzen oder beispielsweise in einem Gasmotor. Bei diesem Vorgang der Vergärung entsteht gleichzeitig aber auch ein zweites Produkt: die Abwärme. Und schon schließt sich der Kreis zur Wärmenutzung der Biogasanlage. Denn diese Abwärme ist weniger „Abfallprodukt“ als vielmehr ein wertvoller Rohstoff.

Wo genau entsteht die Abwärme?

Generell entsteht die Abwärme im Blockheizkraftwerk der Biogasanlage. Über verschiedene Wärmetauscher gelangt sie in einen Heizkreis. Dabei gilt es, zwischen motorinterner und -externer Energie zu unterscheiden. Motorinterne Wärme entstammt aus dem Schmieröl, dem Gemisch und dem Motorkühlwasser des Blockheizkraftwerks. In gesammelter Form kann die Wärme aber auch extern in der Anlagenperipherie über einen oder auch zwei Abgaswärmetauscher zu einem Übergabewärmetauscher und dann zu einem der vielen verschiedenen Verbraucher gelangen, die von der Wärmenutzung der Biogasanlage profitieren können.

Ohne KWK keine Wärmenutzung

Eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Wärmenutzung einer Biogasanlage spielt auch die Kraft-Wärme-Kopplung, kurz KWK. Diese bezeichnet die Gewinnung von thermischer und elektrischer Energie zur gleichen Zeit in einem Blockheizkraftwerk. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung besteht dabei in der dezentralen sowie umfassenden Nutzung der gleichzeitig bereitgestellten Elektrizität und Wärme. Wenn es um die optimale Wärmenutzung einer Biogasanlage geht, ist KWK deswegen ein entscheidender Faktor.

Interne und externe Wärmenutzung – was ist der Unterschied?

Im Grunde haben Sie immer zwei Möglichkeiten, die Wärmenutzung Ihrer Biogasanlage zu gestalten. Entweder Sie nutzen die entstehende Abwärme selbst. Das wäre das Modell der internen Wärmenutzung. So können Sie beispielsweise Ihren Fermenter beheizen und Ihre Gebäude und Stallungen mit Wärme versorgen. Oder Sie setzen auf eine externe Wärmenutzung, das heißt, Sie verkaufen die thermische Energie über ein Wärmenetzwerk an externe Wärmeabnehmer. Warum Sie das tun sollten? Ganz einfach.

Wärmenutzung einer Biogasanlage – diese Vorteile haben Sie davon

Wussten Sie, dass eine Kilowattstunde Wärme aus Ihrer Biogasanlage im Schnitt 2,6 Cent wert ist? Da wäre es doch die reinste Verschwendung, die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme einfach so verpuffen zu lassen, oder nicht? Und die Möglichkeiten für die Wärmenutzung einer Biogasanlage sind extrem vielfältig. Ob in privaten Haushalten oder öffentlichen Gebäuden, in Gewächshäusern oder in der Landwirtschaft – Abwärme lässt sich nahezu überall einsetzen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen Ihnen die folgenden Beispiele:

1. Wärme im Glashaus

Sämtliche Gemüsesorten das ganze Jahr über verfügbar zu haben, ist heute nahezu normal. Doch damit das auch wirklich realisierbar ist, braucht es Gewächshäuser, in denen die kleinen Pflänzchen gut geschützt und schön warm zu fertigen Lebensmitteln heranreifen können. Und schon kommt die Wärmenutzung der Biogasanlage ins Spiel. Denn die hier entstehende Abwärme eignet sich perfekt, um Gewächshäuser mit der benötigten Wärme zu versorgen. Vor allem im Winter hat das große Vorteile.

2. Heizung für die Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft hat die Wärmenutzung einer Biogasanlage verschiedenste Einsatzmöglichkeiten. Neben der Beheizung von Ställen sowie Lager- oder Fuhrparkhallen eignet sie sich auch für Trocknungsprozesse von Holz, Getreide und Klärschlamm. Wie das funktionieren kann, lässt sich zum Beispiel bei der Garmann Biogas GmbH & Co. KG in Beesten beobachten. Hier wird die in zwei großen Biogasanlagen produzierte Abwärme genutzt, um in einer Lagerhalle Holz zu trocknen. Der Vorteil: Dank eines eher nebenbei entstehenden Zusatzproduktes ist die große Halle nicht nur einfach, sondern gleichzeitig auch extrem kostengünstig zu beheizen.

3. Mit Abwärme Gülle verwerten

Zudem bietet sich die Wärmenutzung einer Biogasanlage auch hervorragend zur Gärrestverdampfung an. Dabei wird die in der Biogasanlage entstehende Wärme genutzt, um Gülle aufzubereiten, zu erhitzen und einzudicken. Eingedickte Gärreste benötigen wesentlich weniger Platz, was sowohl die benötigten Lagerkapazitäten als auch die Zahl der Transportfahrten reduziert. Das kommt Umwelt und Klima entscheidend zugute.

4. Abwärmenutzung in der Industrie

Ob Fahrzeug- oder Maschinenbau, Papier- und Druckgewerbe, chemische Industrie, Metallverarbeitung oder Textilindustrie – für verschiedenste Produktionsprozesse brauchen sie alle Wärme. Und bei den oftmals großen Betriebe kann das eine ganze Menge sein. Die Wärmenutzung einer Biogasanlage ist dafür prädestiniert.

5. Heizen in privaten und öffentlichen Gebäuden

Ob normales Wohnhaus oder Bürogebäude, Schule oder Schwimmbad – auch hier herrscht vor allem im Winter ein hoher Wärmebedarf. Wieso also nicht auf die Wärmenutzung einer Biogasanlage setzen? Immerhin handelt es sich dabei nicht nur um eine preisgünstige, sondern auch um eine sehr umweltfreundliche Art der Wärme.

Sie sehen also, die Möglichkeiten der Wärmenutzung einer Biogasanlage bieten einiges an Potenzial und darüber hinaus sicher auch an Zukunftsfähigkeit. Vor allem wenn es um Zusatzerlöse geht, sollten Anlagenbetreiber sich rechtzeitig auf diesem Feld umschauen.