Stromausfall – und jetzt? Ob im Homeoffice oder im Büro, in der Reithalle oder im Nutztierstall, im Supermarkt oder in der Biogasanlage: ein Stromausfall ist nirgendwo gerne gesehen. Schließlich kann er sich von einer nervigen Tatsache schnell zu einem echten Problem entwickeln. Denn eine sichere Stromversorgung ist die Basis des alltäglichen Lebens und ein Blackout kann schwerwiegende Folgen haben. Um das zu vermeiden, gibt es eine einfache Lösung: den BHKW-Inselbetrieb.

Was genau das ist und welche Vor- aber auch Nachteile ein BHKW im Inselbetrieb hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist der BHKW-Inselbetrieb?

Blockheizkraftwerke lassen sich sowohl an das öffentliche Strom- und Gasnetz anschließen als auch autark betreiben. Ist Letzteres der Fall, so erfüllt es die Voraussetzungen, die für einen BHKW-Inselbetrieb notwendig sind. Von einem Inselbetrieb ist die Rede, wenn eine BHKW-Anlage die Stromversorgung von Verbrauchern aufrechterhalten kann, ohne an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen sein zu müssen. Das bedeutet, dass ein BHKW im Inselbetrieb keinen elektrischen Anschluss zu einem anderen Stromnetz bzw. dem allgemeinen Versorgungsnetz hat. Dennoch ist es in der Lage, selbst Energie zu erzeugen und diese über ein sogenanntes Inselnetz zu den Verbrauchern zu leiten.

Wann ist ein BHKW-Inselbetrieb erforderlich?

Tatsächlich ist es so, dass Netzausfälle in Deutschland zur Tagesordnung gehören. Als Endverbraucher bekommt man das meistens zwar nicht mit, doch der Bedarf an Strom steigt stetig und damit auch die Gefahr zunehmender Ausfälle. Proportional zum wachsenden Stromverbrauch steigt nämlich auch die Menge des Stroms, der durch die Netze fließt. Problematisch ist dabei, dass die Stromleitungen in Deutschland die zunehmend steigenden Kapazitäten auf lange Sicht nicht mehr fassen können, denn sie sind ausbau- und modernisierungsbedürftig. Die Folge ist eine Überlastung der Stromnetze, die dann zu einem Blackout führt. Und bis der Strom wieder fließt, kann es dauern – was für manche Branchen eine echte Herausforderung ist. Hier kann ein BHKW-Inselbetrieb helfen.

Kommt es also zu einem Blackout, ist es wichtig, dass die Stromversorgung der Verbraucher so schnell wie möglich wieder hergestellt wird. Sind die lokalen Kraftwerke nicht schwarzstartfähig oder dauert ihre Wiederinbetriebnahme zu lange, so kann ein BHKW im Inselbetrieb die perfekte Überbrückung sein.

Als autarker Stromerzeuger dienen ein BHKW im Inselbetrieb und (s)ein Inselnetz der zügigen Bereitstellung von Strom für die Verbraucher. Das muss im Übrigens nicht nur zwingend während eines Stromausfalls sein. BHKW im Inselbetrieb können nämlich auch der Bereitstellung von Strom in abgelegenen Gebieten, wie zum Beispiel im Gebirge oder auf Inseln, dienen. Wichtig ist, dass ein BHKW, das im Inselbetrieb laufen soll, über eine Schwarzstartfähigkeit verfügen muss. Denn diese ist prinzipiell notwendig, weil eine Energiezufuhr von außerhalb nicht gegeben ist. Perfekt geeignet für ein Inselbetrieb sind dabei Zündstrahl-BHKW, da diese in der Regel alle erforderlichen technischen Voraussetzungen erfüllen.

Ein BHKW im Inselbetrieb – das sind die Vorteile…

Ein ganz großer Pluspunkt, den ein BHKW im Inselbetrieb mit sich bringt, ist Unabhängigkeit. Denn dank seiner Schwarzstartfähigkeit und wegen seiner Autarkie vom öffentlichen Netz kann es Strom in seinem Inselnetz bedarfsgerecht und versorgungssicher bereitstellen. Auch während eines Stromausfalls können BHKW im Inselbetrieb selbst ohne Anschluss ans Stromnetz ganz autonom aus dem abgeschalteten Zustand hochfahren.

Hinzu kommt, dass BHKW, die völlig autark im Inselbetrieb laufen, von der EEG-Umlage befreit werden können. Dafür muss allerdings ein „echter“ BHKW-Inselbetrieb vorliegen. Dies bedeutet, dass das BHKW und das Inselnetz, in das es einspeist, dauerhaft physikalisch voneinander getrennt sein müssen. Ist das der Fall, fällt die EEG-Umlage weg.

…und das die Nachteile

Ein BHKW-Inselbetrieb bringt jedoch auch den einen oder anderen Nachteil mit sich, da diese Fahrweise nicht „einfach so“ umsetzbar ist. Vielmehr erfordert ein Inselbetrieb einige Voraussetzungen, die zwingend gegeben sein müssen, um ihn erfolgreich umzusetzen. So ist beispielsweise das Kundennetz ein wichtiger Faktor, da dieses nicht nur über ein passendes Lastenmanagement mit geregeltem Zuschalten (alle 10 Minuten etwa 20 Prozent) verfügt, sondern auch eine Mindestabnahme von 30 Prozent bis maximal 80 Prozent der BHKW-Leistung garantieren muss.
Hinzu kommen die technischen Anforderungen an das BHKW an sich. So muss dieses für einen Inselbetrieb nicht nur eine ausreichend große Batterieanlage, sondern auch einen Synchrongenerator verbaut haben. Zudem erfordert ein BHKW-Inselbetrieb bei Gasmotoren, dass der Gasverdichter über ein kleines Notstromaggregat oder USV anlaufen muss. Die Steuerung sollte über einen zentralen Hauptschalter laufen.

Bei BHKW-Anlagen mit mehreren Motoren oder mit anderen Aggregaten (ggf. von verschiedenen Herstellern) im Inselverbund können Frequenz und Spannung sowohl von einem Teil der Aggregate als auch von allen Aggregaten geregelt werden. Wichtig ist dabei, dass die Wirk‐ und Blindleistung auf jeden Fall durch das Lastmanagementsystem geregelt ist. Zwar lässt sich ein leistungsmäßig kleiner Anteil in diesem Verbund auch an die Leistung angepasst regeln. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass Leistungsvariationen manchmal schnell gefordert werden können. Und das setzt hohe dynamische Eigenschaften der Anlage voraus, damit der BHKW-Inselbetrieb wirklich reibungslos funktioniert.

Die „Dunkelflaute“ – eine Chance für den BHKW-Inselbetrieb?

Abschrecken sollen die Nachteile eines BHKW im Inselbetrieb jedoch keineswegs – im Gegenteil. Denn gerade vor dem Hintergrund der verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energien gewinnt der Inselbetrieb zunehmend an Bedeutung. Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet „Dunkelflaute“. Gemeint ist die Volatilität regenerativer Energiekonzepte wie die Stromgewinnung aus Solar- und Windkraft. Da diese nämlich extrem abhängig von Wetter und Witterung sind, besteht die Gefahr unzureichender Versorgungssicherheit während wetter- bzw. jahreszeitbedingter Dunkelheit. Auch langanhaltende Phasen mit wenig oder schwachem Wind können zum Risiko werden. Stark vermehrte Stromausfälle sind die Folge.

Und genau das kann die Chance für BHKW im Inselbetrieb sein: Dank ihrer Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz können sie die Lücken auffüllen und mögliche Schwankungen ausgleichen, die durch fehlende Wind- und Solarenergie entstehen. Für die Versorgungssicherheit ist das ein echter Gewinn.